Aktuelles

Corona-Virus- Pandemie
Update zu Auswirkungen auf die Ausbildung

Zuletzt aktualisiert 01.04.2020

Angesichts der Corona-Pandemie kommt es bei vielen von euch zu Fragen. Wir versuchen euch hier möglichst aktuell über die Auswirkungen auf eure Ausbildung auf dem Laufenden zu halten.

ACHTUNG! Alle hier gemachten Angaben sind nicht rechtsverbindlich. Wir bieten lediglich sozialpädagogische Beratung und Auskünfte zum Thema Ausbildung und Ausbildungsrecht an. Da sich die Lage zum jetztigen Zeitpunkt ständig verändert, können die hier gegebenen Informationen niemals vollständig sein – wir bemühen uns um Aktualität, übernehmen dafür aber keine Haftung.

Jetzt noch wichtiger als sonst: Unterschreibe keine neuen Verträge mit deinem Betrieb z.B. einen Änderungsvertrag oder Aufhebungsvertrag ohne dir rechtlichen Rat (z.B. bei uns, deiner Gewerkschaft oder einem Anwalt) einzuholen. Achte ansonsten darauf möglichst alles schriftlich von deinem Ausbildungsbetrieb bestätigen zu lassen. Ob deine Ausbildenden dich nach Hause schicken, Arbeitszeit im Homeoffice geleistet wird, man dich länger arbeiten lässt, zwingt Urlaub zu nehmen oder gar kündigt oder angeblich nicht mehr bezahlen kann: Lass dir immer einen schriftlichen Hinweis dazu geben (per Mail oder Brief) oder schreibe wenigstens das wichtigste selbst mit (Datum, wer, was), damit du einen Nachweis hast!

Wo kann ich mich als Azubi oder Betrieb gut über aktuelle Entwicklungen informieren?

Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) https://www.dgb.de/themen/++co++fdb5ec24-5946-11ea-8e68-52540088cada
Bundesagentur für Arbeit https://www.arbeitsagentur.de/privatpersonen speziell zu Kurzarbeit https://www.arbeitsagentur.de/news/corona-virus-informationen-fuer-unternehmen-zum-kurzarbeitergeld
Industrie- und Handelskammer München und Oberbayern https://www.ihk-muenchen.de/de/
Handwerkskammer München https://www.hwk-muenchen.de/
Bayrische Staatsregierung https://www.bayern.de/
Robert-Koch-Institut https://www.rki.de/DE/Home/homepage_node.html
Öffentlich-Rechtliche Rundfunkanstalten http://www.ard.de/home/die-ard/organisation/mitglieder-der-ard/Mitglieder_der_ARD/323262/index.html

Ich bin am Corona-Virus erkrankt, was jetzt?
Du bist nachweislich am Corona-Virus erkrankt? Informiere bitte sofort telefonisch oder per Mail deine Ausbildenden, dass du krank bist. Ob du den Grund für deine Erkrankung nennen willst, damit für deinen Betrieb entsprechende Maßnahmen ergriffen werden können und du deine Kollegen schützt, kannst du selbst entscheiden – du hast aber keine Pflicht deinem Arbeitgeber den Grund für deine Erkrankung offenzulegen. Du und dein Arzt seid aber verpflichtet das zuständige Gesundheitsamt über deine Infektion mit dem Corona-Virus zu informieren. Anschließend gilt das gleiche wie immer bei Krankheit in der Ausbildung: Reiche umgehend deine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) bei deinem Arbeitgeber und deiner Krankenkasse ein (per Post oder falls zulässig per Scann), bleib zu Hause, meide andere Menschen und erhole dich. Solltest du eine Folgebescheinigung benötigen, weil du länger als auf der Krankschreibung steht, krank bist, melde dich telefonisch bei deinem Arzt – er kann dir aktuell auch ausnahmsweise auf diesem Wege eine AU ausstellen (https://www.kbv.de/html/1150_44759.php). Keinesfalls solltest du nach aktueller Lage das Haus verlassen oder gar zur Arbeit gehen.
Dein Chef kann dich jetzt genauso wenig kündigen/ Gehalt kürzen/ Minusstunden aufschreiben, wie bei jeder anderen vom Arzt bescheinigten Erkrankung auch! Weitere Infos zur Kündigung siehe hier.

Ich glaube ich könnte am Corona-Virus erkrankt sein oder jemand mit dem ich Kontakt hatte ist erkrankt, was jetzt?
Diese Übersicht der Zeitung „Die Zeit“ kann dir jetzt vielleicht weiterhelfen. Alle wichtigen Telefonnummern findest du unter dem Artikel: https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2020-03/kontakt-erkrankte-covid-19-schutz-tipps

Nach aktuellem Stand bist du verpflichtet dich bei Verdacht auf eine Erkrankung mit dem Coronavirus bei deinem Hausarzt oder deinem lokalen Gesundheitsamt zu melden. Auch deinen Ausbildungsbetrieb solltest du über deinen Verdacht informieren und über deinen weiteren Gesundheitszustand auf dem Laufenden halten.
Bist du offiziell unter Quarantäne gestellt, aber nicht krankgeschrieben, muss dein Arbeitgeber dich weiter bezahlen! Dem Betrieb steht aller Voraussicht nach eine Entschädigungszahlung nach dem § 56 Infektionsschutzgesetz zu, das heißt er bleibt auch nicht auf den Kosten sitzen. Dazu kann er sich bei der zuständigen Kammer informieren. (z.B. IHK, HWK).

Muss ich jetzt wirklich noch in die Arbeit gehen? Ich möchte nicht in die Arbeit gehen, weil ich mir Sorgen mache mich anzustecken!
Solange du nicht nachweislich am Corona-Virus erkrankt bist oder Kontakt mit einem Erkrankten hattest (s. oben), bist du nach aktuellem Stand verpflichtet weiter zur Arbeit zu gehen!
Wie diese Arbeit aussieht bestimmen weiterhin deine Ausbildenden, also z.B. ob Homeoffice möglich ist, wann du arbeiten musst usw. Wenn dein Betrieb aufgrund behördlicher Anordnung für Kunden oder Besucher geschlossen werden muss, bestimmen deine Ausbildenden, ob es trotz Schließung für die Öffentlichkeit weiter Arbeit für dich zu tun gibt (z.B. Lager entrümpeln, Abrechnung machen, Jahresberichte schreiben, Inventur machen etc.).

Seit dem 16.03.2020 müssen geschlossen bleiben:
– Alle Läden des Einzelhandels außer Lebensmittelgeschäfte, Apotheken, Banken, Drogerien, Optiker, Hörakustiker und ähnliches.
– Alle Einrichtungen zur Freizeitgestaltung z.B. Schwimmbäder, Zoos, Kinos, Museen, Fitnesstudios und ähnliches.
Die genaue Pressemitteilung zu Betriebsschließungen für Bayern (16.03.20) findest du hier: https://www.bayern.de/corona-pandemie-bayern-ruft-den-katastrophenfall-aus-veranstaltungsverbote-und-betriebsuntersagungen/?seite=28408
Seit dem 22.03.2020 müssen laut Bundesregierung außerdem geschlossen bleiben:
– Alle Gastronomiebetriebe (Lieferungen aus den Betrieben sind erlaubt!)
– Dienstleistungsbetriebe im Bereich Körperpflege z.B. Kosmetikstudios oder Friseursalons
Die genaue Pressemitteilung der Deutschen Bundesregierung (22.03.2020) findest du hier: https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/coronavirus/besprechung-der-bundeskanzlerin-mit-den-regierungschefinnen-und-regierungschefs-der-laender-1733248

ACHTUNG: Aktuell ist die Situation in ganz Deutschland fast gleich. Die Bundesländer können aber eigene Regeln aufstellen. Wir haben vor allem die Situation in München und Bayern im Blick. Bitte informiere dich lokal z.B. über deine öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt: http://www.ard.de/home/die-ard/organisation/mitglieder-der-ard/Mitglieder_der_ARD/323262/index.html

Dein Betrieb ist verpflichtet Hygienemaßnahmen zu ergreifen, um zu verhindern, dass du oder deine Kollegen sich gegenseitig oder durch Kontakt mit Kunden oder Patienten anstecken. Z.B. ausreichend Desinfektionsmittel und Möglichkeiten zum Händewaschen ermöglichen, Kollegen in großem Abstand sitzen lassen oder nur weniger Kollegen kommen lassen, Kunden durch Bodenmarkierungen zum Abstand halten zwingen, kein Körperkontakt ohne Schutzkleidung usw.
Kann der Betrieb solche Hygienemaßnahmen nicht garantieren (z.B. weil der Laden zu klein ist), muss er dich vermutlich auf Bezahlung freistellen (s.u.). Das hängt aber sehr vom Einzelfall ab. Melde dich gerne bei Fragen zu deiner konkreten Situation bei uns.

Mein Betrieb hat zu und mich nach Hause geschickt. Was passiert denn jetzt mit meinem Gehalt und meiner Ausbildung?
Grundsätzlich bist du als Auszubildende/r vor allen Maßnahmen, die deine Ausbildung im Betrieb reduzieren oder unterbrechen besonders geschützt. Deine betriebliche Ausbildung muss vom Betrieb so lange wie irgendwie möglich sichergestellt werden. Es kann also sogar sein, dass ausgelernte Kollegen vor dir nach Hause geschickt oder freigestellt werden. Auch Optionen wie Kurzarbeit müssen für Auszubildende so lange wie möglich vermieden werden. §19 Abs. 1 Nr. 2 Berufsbildungsgesetz (BBiG) legt fest, dass du, wenn Kurzarbeit wirklich unvermeidbar ist, mindestens 6 Wochen Recht auf deine volle Vergütung hast (also nicht nur 60%!). Sollte es deinem Betrieb nicht möglich sein, dich weiter deinem Ausbildungsberuf angemessen bzw. gesundheitlich vertretbar zu beschäftigen, muss dich dein Betrieb auf Bezahlung freistellen, d.h. du musst nicht mehr in die Arbeit kommen. Das entscheidest aber nicht du selbst, sondern muss von deinen Ausbildenden angeordnet werden. Dein Betrieb kann dich jetzt normalerweise nicht einfach so zwingen z.B. Urlaub oder Überstundenausgleich zu nehmen oder dich gar kündigen. Kontaktiere uns oder deine zuständige Gewerkschaft oder Kammer bei Fragen oder Problemen.
Die deutsche Bundesregierung hat über Kurzarbeit hinaus finanzielle Unterstützung für Betriebe angekündigt. Was dein Betrieb tun kann, wenn er finanzielle Unterstützung benötigt, kann er bei der zuständigen Stelle (Kammer, Innung), der Agentur für Arbeit oder der Landesregierung erfragen

Das ist ja alles nett, aber meinen Chef interessiert das nicht! Er hat mich trotzdem gekündigt. Wo bekomme ich jetzt Unterstützung und Geld her?
Du solltest dich jetzt möglichst schnell um Unterstützung kümmern, ob die Kündigung in Ordnung ist und was man dagegen tun kann (siehe auch Kündigung im Ausbildungsverhältnis). Die bekommst du gerne von uns, von deinem Betriebsrat, deiner zuständigen Gewerkschaft oder einem Anwalt.

Außerdem solltest du dich für finanzielle Hilfe dann möglichst schnell arbeitslos melden. Das machst du bei deiner lokalen Agentur für Arbeit. ACHTUNG: meistens kann man gerade nicht mehr persönlich bei der Agentur für Arbeit vorbeigehen, sondern muss sich über eine Telefon-Hotline oder online arbeitslos melden. Aktuelle Informationen findest du hier: https://www.arbeitsagentur.de/privatpersonen
Speziell für München: https://www.arbeitsagentur.de/vor-ort/muenchen/startseite  Tel  0800 4555500 oder Münchner Zusatznummer 089 51 54 5555.

Was wird denn jetzt aus meiner Abschlussprüfung oder Zwischenprüfung?
Dazu informiere dich am besten auf der Website oder telefonisch bei deiner zuständigen Innung oder Kammer (z.B. IHK München und Oberbayern, HWK; Bayrische Landesärztekammer).
Aktuell wurden alle Prüfungen bis nach den Osterferien (24.04.2020) abgesagt. Wie es anschließend weitergeht wirst du von deiner zuständigen Kammer rechtzeitig erfahren.